Inhaltsverzeichnis

Handbuch
jüdische Kulturgeschichte

Judentum/jüdisch: Zugänge

Forschungsfelder

Worauf beziehen sich Begriffe wie „Judentum“ und „jüdisch“? Geht es dabei um eine Religion, um eine gemeinsame Kultur oder haben wir von einer Ethnie, einem Volk, zu sprechen? Bilden Jüdinnen und Juden aufgrund ihrer über Jahrhunderte währenden Ausgrenzungen eine Schicksalsgemeinschaft? Eine Festlegung auf einen dieser Aspekte würde eine Engführung bedeuten und der vielfältigen Realität jüdischen Lebens und der Reflexion darüber nicht gerecht werden. Bestimmte Narrative und Topoi – wie zum Beispiel die biblische Erzählung vom Auszug aus Ägypten oder die Vorstellung der Erfüllung von Geboten der Tora – begegnen immer wieder und sind auch außerhalb eines spezifisch religiösen Rahmens Teil jüdischer Selbstmitteilung. Dasselbe gilt für die Verpflichtung zur Mitmenschlichkeit, aber auch für die Auseinandersetzung mit der verstörenden Erfahrung von Ausgrenzung und Verfolgung. Bei jedem Phänomen jüdischen Lebens, jüdischer Überlieferung sollte jedoch nach der Perspektive gefragt werden: Handelt es sich um Selbstbeschreibungen, Ideale, Auseinandersetzungen innerhalb des Kollektivs oder in dessen Grenzbereich – oder um Fremdzuschreibungen, affirmativer oder polemischer Art? Wer spricht über wen? Es geht um Konstruktionen, Diskurse und Praktiken, die in ihrem jeweiligen historischen oder politischen Kontext zu betrachten sind.

I Kulturelle, politische, historische Perspektiven
II Religiöse Konzepte
III Territoriale Konzepte
IV Grenzbereiche, Grenzen und Grenzüberschreitungen
nach oben