Inhaltsverzeichnis

Handbuch
jüdische Kulturgeschichte

Einleitung

Das Online-Projekt „Handbuch Jüdische Kulturgeschichte“ versteht sich als Überblick über Forschungsthemen und -diskurse, an denen wir am Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg arbeiten, bzw. die für uns relevant sind. Es soll eine Informationsbasis für Studierende und alle Interessierten sein, aber auch Impulse zur wissenschaftlichen Weiterarbeit geben, sowohl die theoretische Reflexion als auch die konkrete thematische Vertiefung betreffend. Das „Handbuch Jüdische Kulturgeschichte“ wurde vom Gründungsteam unseres Zentrums, vor allem von Gerhard Langer, auf den Weg gebracht. Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt konnten dafür gewonnen werden, ihre Forschungsergebnisse zu diesem Projekt beizusteuern.

Jüdische Kulturgeschichte ist ein im höchsten Maße interdisziplinäres und nicht genau abgrenzbares Forschungsgebiet; sowohl das Judentum als religiöse und geistesgeschichtliche Größe als auch Jüdinnen und Juden mit den verschiedensten Identitätskonzepten sind in allen Bereichen und Epochen der Kulturgeschichte präsent. Oftmals gilt es, sich diese Präsenz und Bedeutung des Jüdischen überhaupt erst bewusstzumachen; Anliegen des „Handbuchs Jüdische Kulturgeschichte“ ist es deshalb, Themen jüdischer Kulturgeschichte in die geistes- und kulturwissenschaftliche Diskussion einzubringen.

 

Forschungsperspektiven Jüdischer Kulturgeschichte

Das „Handbuch Jüdische Kulturgeschichte“ legt den Schwerpunkt weniger auf jüdische Religion und ihre theologischen Details, sondern auf – vor allem neuzeitliche und moderne – kulturelle Ausdrucksformen jüdischer Identität. Diese sind freilich ohne Auseinandersetzung mit der religiösen Tradition und ihren Normativitätsansprüchen kaum zu erschließen. Artikel wie „Judentum als ‚Herkunftsgemeinschaft‘ und ‚Religion‘“ oder „Liberales Judentum und Orthodoxie“ zeigen verschiedene Positionsbestimmungen im Diskursfeld der kollektiven Identitätsverständnisse auf. Damit werden zugleich die in Kapitel A.IV diskutierten „Grenzbereiche“ – freiwillige oder unfreiwillige Kontaktzonen religiöser Existenz – relevant.

Dazu kommt ein weiterer Aspekt: Die verschiedenen Erscheinungsformen jüdischen Selbstverständnisses sind – spätestens seit der Etablierung des Christentums – Teil einer Geschichte der Zuschreibungen und Projektionen, der Marginalisierungen und Verfolgungen. Diese Realität klingt in nahezu jedem Artikel an: Moderne Synagogenarchitektur etwa ist ohne den Aspekt der Reflexion des Holocaust nicht vorstellbar; das Thema der jüdischen Erziehung im 19. Jahrhundert beruht auf der politischen und gesellschaftlichen Emanzipation der jüdischen Gemeinschaft und ist ganz wesentlich als Auseinandersetzung mit neuen gesellschaftlichen Realitäten zu denken.

Jüdische Kulturgeschichte bewegt sich im Spannungsfeld von Differenzdiskursen. Das Motiv einer grundsätzlichen Alterität des Judentums (über jeweils empirische kulturelle Besonderheiten hinaus) erscheint dabei geradezu als Kontinuum: Es begegnet negativ aber auch positiv konnotiert, als Zuschreibung, als Selbstbild oder als unausweichliche Gegebenheit. Differenzdiskurse können dem Abstecken von Grenzen der eigenen kollektiven Identität dienen, sie können aber auch, in feindseliger Absicht geführt, auf die Legitimierung von Verfolgung zielen. Jüdische Kulturgeschichte kommt nicht umhin, diesen Diskursen nachzugehen und ihre jeweiligen Kontexte, Akteure und Interessen zu beschreiben. (Dass Diskurse der Alterität und der Gleichheit ineinander übergehen und einander spiegeln können, führt der Artikel „Die Nichtjuden in jüdischer Perspektive“ mit einem Witz vor Augen.)

 

Das Handbuch als Online-Publikation

Durch die Online-Publikation des „Handbuchs Jüdische Kulturgeschichte“ können Herausgebende bzw. Beiträgerinnen und Beiträger Artikel bei Bedarf aktualisieren oder neue Artikel und Themen aufnehmen. Außerdem ermöglicht diese Form, dass die einzelnen Artikel kommentiert werden können. Wir laden unsere Studierenden, Kolleginnen und Kollegen, Leserinnen und Leser dazu ein, sich auf diesem Weg an der Forschungsdiskussion zu beteiligen. (Susanne Plietzsch)

Forschungsfelder